Liebe Leserin, lieber Leser,

 

der letzte Sonntag in der Osterzeit ist gekommen. Er trägt den Namen Exaudi – Höre mich...übersetzt. „Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe“, heißt es im Psalm 27, der das Thema des 6. Sonntages nach Ostern mit bestimmt. Himmelfahrt und der Abschied sind gewesen und die Jünger müssen sich auf einen Leben ohne ihren Lehrer Jesus einlassen. Abschiede sind manchmal ganz selbstveständlich und manchmal unendlich schwer. Wir erleben momentan, dass wir uns von vielen Selbstverständlichkeiten verabschieden mussten und noch nicht wissen, wann und was in 5 oder 10 Wochen sein wird.

Gegen mögliche Sorgen und Ängste hat Paul Gerhard im 17.Jhd. ein Sommerlied gedichtet:

Lied EG 503 Geh aus und suche Freud

1) Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben;
schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben,
sich ausgeschmücket haben.

2) Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide;
Narzissus und die Tulipan, die ziehen sich viel schöner an als Salomonis Seide,
als Salomonis Seide.

3) Die Lerche schwingt sich in die Luft, das Täublein fliegt aus seiner Kluft und macht sich in die Wälder; die hochbegabte Nachtigall ergötzt und füllt mit ihrem Schall Berg, Hügel, Tal und Felder,

5) Die Bächlein rauschen in dem Sand und malen sich an ihrem Rand mit schattenreichen Myrten;
die Wiesen liegen hart dabei und klingen ganz vom Lustgeschrei der Schaf und ihrer Hirten,
der Schaf und ihrer Hirten.

7) Der Weizen wächset mit Gewalt; darüber jauchzet jung und alt und rühmt die große Güte
des, der so überfließend labt und mit so manchem Gut begabt das menschliche Gemüte,
das menschliche Gemüte.

8) Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen;
ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt, aus meinem Herzen rinnen,
aus meinem Herzen rinnen.

Gebet

Gott des Lebens, Gott, wir entdecken dich im kleinen Wassertropfen und im riesigen Sternenhimmel, im Weg der offen vor uns liegt, und im Dickicht unserer Angst.

Lass uns mit offenen Augen, Ohren und Herzen dich und deine Wunder des Lebens entdecken und gib uns Worte, von dir zu erzählen, der du lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Predigttext Jeremia 31,31-34

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Gedanken dazu:

Das Gebot der Stunde bringt den Propheten Jeremia dazu, sich von herrkömmlichen Gottesvorstellungen zu verabschieden. Dicht dran und mit dem Herzen dabei sein, das wünschte sich der Prophet Jeremia von seinem Gott und seinen Mitmenschen. Die Schreckenserfahrung der Belagerung, Eroberung und Zerstörung Jerusalems hat tiefe Spuren hinterlassen. Viele waren sich sicher – ihren Gott gibt es nicht mehr, denn er hatte keine Macht, sie vor den Schrecken zu bewahren. Andere waren sich sicher, selbst Schuld zu sein am Desaster der Vertreibung. Und Jeremia, ein Priester und ein Prophet, selbst bis ins tiefste Innere von der Frage, wie Gott das Leid zulassen kann, getroffen, findet seine Antworten.

Das Gebot der Stunde lässt ihn feststellen: In Stein gemeißelte Gottesgebote wie sie Mose auf dem Weg von Ägypten nach Israel empfangen hatte, geben hilfreiche Orientierung, aber das reicht scheinbar nicht mehr aus.

Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich ...einen neuen Bund schließen, …»Ich will mein Gesetz in ihr Inneres hineinlegen und es ihnen ins Herz schreiben und will dann ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein.

Das Gebot der Stunde sagt ihm: Gottes Gebote müssen zu Herzen gehen, den Menschen im Innersten, in seinem Gefühl, seiner Kenntnis, seinem Wissens und in seiner Entscheidungsfähigkeit erreichen.

Mit Jeremia, einem Prophet wider Willen, der von sich selbst sagte, er sei zu jung und könne die Erwartungen Gottes gar nicht erfüllen, kommt es zu einer Trennt - wende vor mehr als 2500 Jahren. Es ist eine Wende nach innen ins Herz, von Gott gewollt und anders als die Anbetung in einem Tempel.

Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; ...

Die Verinnerlichung des Glaubens an Gott ist so stark, dass nur Gott selbst der Lehrer ist und die Belehrungen von anderen nicht notwendig ist. Jeremia findet aus seiner existenziellen Betroffenheit eine individuelle Antwort, die sich von leer gewordenen Formeln und unverständlichen Geisteshaltungen befreien möchte. Seine Antwort hat mysthische Elemente: Gottes Gebote kann ich in mir selbst finden. Ich brauche keinen Tempel, ich muss keine Angst haben, dass Gottes Macht im Kampf mit den Göttern der anderen Völker zu klein sei.

Die lebensförderliche Thora – das Gesetz wie es Martin Luther übersetzt, die den Bund von je her bestimmt, ist für Jeremia ungebunden an Ort und Zeit, ins Herz geschrieben, kann sie auch in der Fremde nicht verloren gehen – Gottes Ordnung(sinn) ist immer mit dabei. Dieser direkte Weg mitten ins Herz – diesen Wunsch kann man in der Geschichte der Menschen immer wieder finden. In den Klöstern, bei den Mystikern im Mittelalter, bei den Reformatoren im 16. Jahrhundert, die nach den Quellen des Glaubens fragen und Menschen ermöglichen, selbst die Bibel in den Muttersprachen zu lesen oder auch im 18. Jhd bei den Pietisten, die mit den formelhaften Lehren einiger Theologen nichts anfangen konnten. Auch heute wird nach Wegen und Worten gesucht, die persönliche Zugänge zum Glauben finden lassen. Die individualisierten Zugängen machen es manchmal schwer, die Ansichten des anderen zu verstehen bzw. zu respektieren. Das ist die Schattenseite der Individualisierung des Glaubens oder überhaupt des Denkens. Die Meinungsvielfalt erfordert ein hohes Maß des Respektes und der Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten und grundlegende Gebote, die für eine erste Orientierung hilfreich sind. Für Jeremia waren die verinnerlichten, von Gott ins Herz geschriebenen, Gebote eine Richtschnur für das Handeln und hilfreich, um weiter an Gottes Wirken in der Welt zu glauben und Richtschnur

Lied

14) Mach in mir deinem Geiste Raum, daß ich dir werd ein guter Baum, und laß mich Wurzel treiben.
Verleihe, daß zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben,
und Pflanze möge bleiben.

15) Erwähle mich zum Paradeis und laß mich bis zur letzten Reis an Leib und Seele grünen,
so will ich dir und deiner Ehr allein und sonsten keinem mehr hier und dort ewig dienen,
hier und dort ewig dienen.

Fürbitte

Gott, dein Wort verwandelt die Welt. Wir danken dir für deine Bundestreue zu uns. Wir danken dir für alle, die uns mütterlich aufgenommen und väterlich unterstützt haben.
Wir bitten dich für die Leidenden dieser Welt: ihre Schmerzen, ihre Hoffnungen, ihre Trauer und Ratlosigkeit.
Wir bitten dich für deine Kirche und ihr Zeugnis, für unsere Gemeinschaft.
Schreib dein Wort in unser Herz. Das bitten wir im Vertrauen auf Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder und Herrn.

Vaterunser

Segen

Ich wünsche dir die Zuversicht, das Gute in allem zu sehen und die Kraft, stets wieder aufzustehen.
Ich wünsche dir die Ehrlichkeit, deine Meinung zu sagen und die Neugierde, etwas zu hinterfragen.

Ich wünsche dir die Güte, anderen Fehler zu vergeben und die Hartnäckigkeit, dein Ziel anzustreben.

Ich wünsche dir die Lebensfreude, lächelnd das Leben zu genießen.

Ich wünsche dir den Gottes Frieden.