Gottesdienst aktuell

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Weihnachtsfeiertage sind zwar vorbei, aber die gute Weihnachtsbotschaft gilt das ganze Jahr. Die Botschaft, dass Gott mitten unter uns ist, breitet sich aus. Von den Hirten, über die Apostel und die ersten Christen; über viele viele Generationen bis in unsere Häuser. Vielfältige Möglichkeiten haben wir im ganzen Jahr, uns von der Weihnachtsfreude anstecken zu lassen oder sie weiterzugeben, vielleicht mit einem Anruf bei Freunden, einer E-Mail oder einem kleinen digitalen Zusammentreffen, mit einem kleinen Geschenk oder einer Einladung zum Essen. Der Wochenspruch vom 2. Sonntag nach Epiphanias erinnert, dass wir aus dem Vollen schöpfen können: „Von seiner (Gottes) Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ (Joh.1,16)

Lied EG 70 Wie schön leuchtet der Morgenstern

1) Wie schön leuchtet der Morgenstern voll Gnad und Wahrheit von dem Herrn, die süße Wurzel Jesse. Du Sohn Davids aus Jakobs Stamm, mein König und mein Bräutigam, hast mir mein Herz besessen; lieblich, freundlich, schön und herrlich, groß und ehrlich, reich an Gaben, hoch und sehr prächtig erhaben.

2) Ei meine Perl, du werte Kron, wahr? Gottes und Marien Sohn, ein hochgeborner König! Mein Herz heißt dich ein Himmelsblum; dein süßes Evangelium ist lauter Milch und Honig. Ei mein Blümlein, Hosianna! Himmlisch Manna, das wir essen, deiner kann ich nicht vergessen.

3) Gieß sehr tief in das Herz hinein, du leuchtend Kleinod, edler Stein, mir deiner Liebe Flamme, daß ich, o Herr, ein Gliedmaß bleib an deinem auserwählten Leib,ein Zweig an deinem Stamme. Nach dir wallt mir mein Gemüte, ewge Güte, bis es findet dich, des Liebe mich entzündet.

4) Von Gott kommt mir ein Freudenschein, wenn du mich mit den Augen dein gar freundlich tust anblicken. Herr Jesu, du mein trautes Gut, dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut mich innerlich erquicken. Nimm mich freundlich in dein Arme und erbarme dich in Gnaden; auf dein Wort komm ich geladen.

Gebet

Herr, unser Gott, deine Macht und Herrlichkeit ist in deinem eingeborenen Sohn auf Erden erschienen. Wir bitten dich: Öffne unsere Augen und Ohren für die wunderbaren Zeichen, die uns Kraft geben für die kommende Zeit.

Einführung in den Predigttext

Paulus Briefe haben einen großen Eindruck hinterlassen. Sie waren so wichtig, dass sie in der neutestamentlichen Sammlung der biblischen Schriften mit aufgenommen worden sind und sind die ältesten christlichen Zeugnisse, älter als die Evangelien, die wir in der Bibel haben. Paulus konnte sehr gut schreiben, aber nicht so gut reden. Jedenfalls schreibt er das von sich selbst. Im 1. Korintherbrief nimmt er seine Unfähigkeit als großartiger Redner zum Anlass, um die „Unmöglichkeit“ zu unterstreichen, Gottes Weisheit mit menschlichen weisen Worten zu erklären. Er hinterfragt jede(n) Versuch(ung), über Gott und den Glauben an Jesus Christus alles sagen zu können bzw. zu meinen, alles verstanden zu haben. Er hinterfragt auch sein eigene Vergangenheit, denn er war gut ausgebildet. Er kannte sich in den biblischen Schriften genauso gut aus wie in den philosophischen Gedanken seiner Zeit. Zum zweiten reagiert er mit seinem Brief auf das Unverständnis seiner Zeitgenossen im Tod Jesu am Kreuz Gottes Sieg über diese Welt zu sehen und an Jesus Christus zu glauben. Außerdem kritisiert er im Korintherbrief den unguten Geist in der Gemeinde, dass sich einige mit ihrem Wissen und ihrer Weisheit gegenüber anderen hervortun wollen. Paulus unterscheidet zwischen menschlicher und göttlicher Weisheit und erinnert an das göttliche Geheimnis.

Predigttext 1. Korinther 2, 1-10

Auch ich, meine Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten oder hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu predigen. Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, ihn, den Gekreuzigten. Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten der Weisheit, sondern im Erweis des Geistes und der Kraft, auf dass euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft. Von Weisheit reden wir aber unter den Vollkommenen; doch nicht von einer Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. Sondern wir reden, wie geschrieben steht (Jes 64,3): »Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.« Uns aber hat es Gott offenbart durch den Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen Gottes.

Auslegung

Im Mittelalter entstand ein kleines Buch, dass 2011 neu übersetzt und kommentiert von Kurt Flash herausgegeben worden ist, mit dem Titel: „Was ist Gott? Das Buch der 24 Philosophen“

Im Buch wird erzählt, dass sich 24 Philosophen versammelten, um gemeinsam eine Definition für Gott zu finden. Wohlgemerkt, sie fragten, was Gott ist und nicht wer Gott ist, so wie heute oft gefragt wird. Jeder Philosoph hatte sich zurückgezogen, um über eine Definition nach zu denken. Dann kamen sie wieder zusammen und jeder hat seine Definition vorgestellt. Diese Definitionen sind z.T. geheimnisvoll und man kann auch heute noch lange darüber nachdenken und sich sein eigenes „Bild“ machen. Am Ende des Gespräches einigten sich die Philosophen, dass sie die eine Definition nicht formulieren werden, sondern alle Definitionen nebeneinander stehen bleiben und jede ihren eigenen Wert hat. Sie respektierten, dass es unmöglich ist, Gott eindeutig zu definieren, dass ihre menschliche Weisheit an ihre Grenzen kommt und ihre Sammlung eröffnet einen Horizont, um dem Leser eigene Antworten finden zu lassen. Das Buch ist eine Zusammenstellung philosophischer und theologischer Gedanken seiner Zeit, das große Beachtung fand und immer wieder in anderen Schriften zitiert worden ist. Die 23. These im Buch lautet: Gott ist das, was der Geist nur im Nichtwissen weiß.“ Das erinnert ein wenig an den griechischen Philosophen Sokrates (5.Jh. vor Chr.), der gesagt haben soll: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Das Wissen um das Nichtwissen ist für Sokrates ein Schlüssel, um ein Fragender und ein Suchender nach Antworten zu bleiben und sich nicht zu schnell mit den gegebenen Antworten zufrieden zu geben. Über Fragen Antworten zu finden, war sein Weg der Erkenntnis. Mit einer Art Ausschlussverfahren näherte er sich einer möglichen Antwort. Ein hilfreicher Schritt ist, zu benennen, was die Sache, der Sachverhalt nicht ist, um dann klarer sagen zu können, was es denn ist.

Gott ist das, was der Geist nur im Nichtwissen weiß.“ Im Nicänischen Glaubensbekenntnis, dass auch im Gesangbuch zu finden ist, aber im GD seltener gebetet wird, beschrieben die Bischöfe auf einem Konzil in Konstantinopel im 4. Jahrhundert die Göttlichkeit Jesu mit göttlichen Prädikaten ohne sie näher zu erläutern: „Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott.“ Und sie sagen dann, was Jesus nicht ist. Da heißt es: Er ist gezeugt, nicht geschaffen. Mit dieser Beschreibung grenzen sich sich von Tendenzen ab, in Jesus entweder nur ein menschliches Vorbild oder nur das göttliche zu sehen.

Paulus beschreibt das Unbeschreibliche auf der Grundlage weisheitlicher Gedanken wie man sie schon Alten Testament findet: „wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist.“ und nicht mit menschlichen Maßstäben zu verstehen ist. Aber er glaubt auch daran, dass wir Menschen mit Gottes Geist und Kraft Gottes Weisheit im Leben, Sterben und in der Auferstehung Jesu erkennen und glauben können.

Paulus stellt außerdem fest, dass man es nicht ohne weiteres an einer brillante Reden und tollen Vorträgen ablesen könne, ob ein Mensch vom Geist Gottes erfüllt sei, sondern von der inneren Einstellung. Diese innere Einstellung beschreibt Paulus im 13. Kapitel des Briefes ausführlich im Hohelied der Liebe. Ich zitiere: Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, so dass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.

Das Buch „Was ist Gott? Das Buch der 24 Philosophen“ hatte den Mut zur Lücke und regt mit seinen Thesen weiter zum Nachdenken an. Paulus regt an, Gottes Kraft und Geist bei der Suche nach Gottes Weisheit und Geheimnissen zu vertrauen, um Antworten für den eigenen Glauben zu finden. Bei Susanne Niemeyer habe ich eine Geschichte zur Lücke gefunden, die Mut zur Lücke macht: „Es war einmal eine Lücke. Du musst gefüllt werden, rief man ihr zu, aber die Lücke schüttelte den Kopf. Zuerst kam die Angst. Sie mahnte, dass man hindurch fallen und sich für immer verlieren könne. Diese Lücke, sagte sie, müssen wir schnellstens schließen, und schlug Ersatz vor. Aber die Lücke schüttelte den Kopf. Als nächstes kam der Pragmatismus. Er fand, dass man jede freie Stelle nutzen solle. Zum Beispiel, um ein Hobby zu beginnen. Bienen züchten läge gerade im Trend. Aber die Lücke schüttelte den Kopf. Zuletzt kam die Vollkommenheit. Ihr Antlitz war einschüchtern schön. Sie mochte es gar nicht, wenn irgendwo was fehlt. Aber die Lücke stellte sich ihr in den Weg und sagte: ich bleibe. Ich bin da, damit das Glück hindurch schlüpfen kann. Und so hielt die Lücke allen Versuchungen tapfer stand, und das Glück fand seinen Weg.

Lied EG 272 Ich lobe meinen Gott

Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen. Erzählen will ich von all seinen Wundern und singen seinen Namen. Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen.
Ich freue mich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja! Ich freue ich und bin fröhlich, Herr, in dir. Halleluja!

Fürbitte und Vaterunser

Barmherziger Gott, dich sehen wir in so vielen Zeichen erleben wir in so manchem Wunder. Du bist da. Wir bitten Dich, sei uns auf unserer Lebensreise nahe. Dir bringen wir unsere offenen Fragen, unsere ungelösten Probleme, unsere verwirrten Beziehungen. Überall da, wo wir leben und arbeiten, wo Deine Güte und Dein Humor gebraucht werden, da mögest Du uns segnen, uns die richtigen Worte in den Mund legen oder das rechte Schweigen lehren. Dir legen wir unsere Lieben an das Herz. Wir bringen Dir unser Leid und unsere Trauer. Gib uns die Kraft, für andere da zu sein. Lass jeden Menschen spüren, wie nahe Du ihm bist.

Segen

Gott segne dich und behüte dich. Er gebe dir Rat und Schutz. Er sei Licht auf deinem Weg. Er gebe dir Zeichen seiner Nähe. Er gebe dir Vertrauen, sich nicht beirren zu lassen. Er gebe dir seinen Frieden.