Gottesdienst aktuell

Ostersonntag

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Er ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Mit dem Aufgang der Sonne läuft der Jubelruf der Christenheit um die Welt. Jesus Christus lebt. Gott erweist seine Macht, die stärker ist als der Tod.

Ostern, das ist das Fest purer Freude, einer Freude, die deswegen so rein ist, weil sie die Tiefen kennt und sie doch bezwungen weiß. Die erste Liebe, die Geburt eines Kindes, die Rettung aus höchster Gefahr – es gibt Ereignisse, die erfüllen uns mit unaussprechlicher tiefer Freude. Ostern ist das Urdatum des christlichen Glaubens, die Geburtsstunde einer Gemeinschaft, die gegen den Augenschein glaubt, dass das Leben wieder kommt, dass Christus spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Wir sehen in diesen Tagen die Natur erwachen, die die Lebensgeister weckt und pure Lebensfreude ist. Er ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja.

Lied EG 100, 1-4 Wir wollen alle fröhlich sein

Osterpsalm nach Psalm 118

Dies ist der Tag des Herrn. Wir wollen uns freuen und ihn feiern.

Auf Gott können wir uns verlassen, er hat Macht und kann unser Leben reich machen.

Die Gott erleben, werden ihm Lieder singen.

Dies ist der Tag des Herrn. Wir wollen uns freuen und ihn feiern.

Wo ich traurig bin und Angst habe, wird Gott bei mir sein.

Wo andere mich auslachen, wird Gott mir Kraft schenken.

Dies ist der Tag des Herrn. Wir wollen uns freuen und ihn feiern.

Wenn Gott mir fern ist, wenn es mir schwer fällt, an ihn zu glauben.

Dann zeigt mir neue Wege zu ihm, dann helft mir, dass ich Gott wiederfinde und verstehe.

Dies ist der Tag des Herrn. Wir wollen uns freuen und ihn feiern.

Biblische Ostererzählung nach Matthäus 28,1-10

Gleich zwei Wächter sollten auf Jesus aufpassen. Auf den am Kreuz gestorbenen Jesus. Sie stehen vor einem verschlossenen Grab. Zwei Wächter – einer rechts, einer links. Pilatus, der ihn zum Tod am Kreuz freigab, hatte das veranlasst. „Man weiß ja nie, sagte er. Ihm war zugetragen worden, dass Jesus gesagt haben soll:

„In drei Tagen werde ich auferstehen.“ Das konnte er sich nicht vorstellen. Aber seine Freunde, die könnten ihn doch aus dem Grab stehlen und anschließend überall erzählen, er sei auferstanden. „Es gibt ja nichts, was es nicht gibt.“ Also wurden zwei Wächter abgeordnet. Bis an die Zähne bewaffnet. „Sicher ist sicher.“

Da standen sie nun vor dem dicken Stein vor dem Grab und bewachten einen Toten. Aber römische Soldaten, die bei der Kreuzigung Jesu dabei waren, hatten gedacht: Er war ein besonderer Mensch, der gekreuzigt wurde.“ Ein Hauptmann hatte es laut ausgesprochen. „Dieser Mensch war ganz bestimmt ein besonderer Mensch, er war Gottes Sohn.“ Dann erschütterte ein Erdbeben die Gegend. In diesem Moment erschien ein Engel Gottes. Die Wächter erschreckten sich. Sie fielen um als wären sie tot. Jetzt konnten sie nichts mehr tun. Nicht mehr wachsam sein. Nicht mehr auf Jesus achten. Sie selbst waren wie tot. Erstarrt vor Schreck. Gelähmt vor Angst. Der Engel wälzte den Stein einfach weg und setzte sich darauf.

„Fürchtet euch nicht. Er ist auferstanden,“ sagte der Engel. Aber das konnten die Wächter nicht hören. „Freut euch mit allen Mächten im Himmel und auf Erden: Jesus ist auferstanden!“

Dann kommen zwei Frauen, Maria Magdalena und Maria, die sich auf den Weg zum Grab machten. Sie wollten Jesus zum Abschied salben. Das war eine gute Tradition in Israel. Die beiden Frauen begegneten dem Engel auf seinem Stein: „Fürchtet euch nicht. Schön, dass ihr da seid. Ich weiß wen ihr sucht: Jesus den Gekreuzigten. Aber der ist nicht hier. Er ist auferstanden. Schaut, wo er gelegen hat. Es ist alles leer.“

„Ist das wahr?“, fragten die zwei Frauen. „Ja, es ist wahr. Er ist wahrhaftig auferstanden!“

Der Engel sagte weiter: „Nun geht zu den anderen Freunden und erzählt allen, das Jesus lebt. Ihr werdet ihm in der nächsten Zeit begegnen. Dann werden auch jene glauben, die noch jetzt zweifeln.“

Die Frauen gingen aufgeregt los. Und dann begegneten sie Jesus auf dem Weg, schneller als gedacht. Er sagt: „Seid gegrüßt!“ Sie fielen vor ihm nieder und begriffen langsam: „Ja, er ist es.“ Es ist so, wie es der Engel gesagt hatte. Jesus sagte: „Lauft zu den andern, sagt ihnen, dass wir uns in Galiläa alle wieder sehen werden.“ Sie liefen zu ihren Freunden und erzählten, was sie erlebt haben.

Die Botschaft breitete sich aus unter den Freunden und in ganz Jerusalem und bald in die ganze Welt.

Auslegung

Der Engel rollt den Stein beiseite und setzt sich darauf. Da wartet er auf die ersten Augenzeuginnen. Er hatte ihnen den Zugang zur guten Botschaft geöffnet. Weiß und strahlend, eine schockierende Erscheinung.

Der Engel auf einem Stein. Viele Maler haben diese Szene gemalt. Oftmals sitzt er auf einer offenen Grabplatte eines Sarges, und erklärt den Frauen, was kaum zu glauben ist. Bei Matthäus sind es zwei Frauen, die sich am Morgen auf den Weg gemacht hatten, bei den anderen Evangelisten sind es drei.

Der Engel sitzt auf dem Stein. Das Grab kann nicht mehr geschlossen werden. Der Stein bleibt unverrückbar liegen. Die Wächter sind ausgeschaltet und die Ostergeschichte nimmt ihren Lauf.

Der Engel sitzt auf dem Stein. Beim Lesen der Ostergeschichte bin ich über diesen Steinsitzenden Engel regelrecht gestolpert. Der Engel ist es, der das Unverständliche, das Unanschauliche dem Betrachter zeigt. Wo immer im Neuen Testament Engel auftreten, erklären sie Gottes Sicht der Dinge, verbinden sich Glanz und Erschrecken, sehen Menschen mehr als das, was vor Augen liegt.

Auf dem Bild ist der Platz des Engels auf der rechten, der guten, der wahren Seite. Sein Platz auf dem Bild verspricht die gute Botschaft. In vielen Kirchen sind darum die Kanzeln auf der rechten Seite zu finden. In Kavelstorf wurde sie erst in den 80iger Jahren nach der Restaurierung der Malereien auf die linke Seite umgesetzt. Der Engel verkündet seine Botschaft sitzend, was seinen Anspruch, die Wahrheit zu sagen, unterstreicht.

Worte in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre, die der Papst ex cathedra (von der Kathedra aus, dem Bischofssitz in Rom) spricht, gelten seit dem 19. Jahrhundert sogar als unfehlbar verkündbare Lehrentscheidungen. Doch darum geht es dem Maler dieses Engels weniger, sondern um die Bedeutung der frohen Botschaft: „Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; sie ist leer.“

Bis zum 12. Jahrhundert wurde der „Auferstandene“ nicht gemalt, so wie auf unserem Osterbild. Nur das leere Grab ist zu sehen. Als Betrachterin dieses Bildes sehe ich nicht mehr als die ersten zwei Frauen, versuche wie sie, diese unglaublichen Botschaft zu begreifen. Matthäus spricht aus, was viele dachten:„Alles Lüge, alles Fake. Die Jünger haben dafür gesorgt, dass der Leichnam Jesu nicht mehr da ist, um die Auferstehungsgeschichte in die Welt zu setzen.“ Dem Augenschein nach geurteilt, kann es nur so gewesen sein. Der Engel auf dem Stein steht für alles, was über den Augenschein hinaus geht. Beurteilten wir unser Leben nur nach dem, was wir sehen und verstehen, wäre am Grab eines geliebten Menschen endgültig Schluss, würden jede Hoffnung und Lebensfreude für immer sterben. Doch so oft geschieht etwas anderes.

Zartes Grün nach dem langen Winter, freundliche Gesten in der Trauer, gutes Gelingen nach dem Scheitern, warmer Sonnenschein nach einem Sturm, Wiedersehen nach langer Trennung, Gesundheit nach schwerer Krankheit. Manchmal feiern wir mitten am Tag ein Fest der Auferstehung, wie es in einem Lied heißt.

Der Engel rollte den Stein beiseite, der das Leben beschwert und den Neuanfang verhindert. Er verspricht kein Paradies auf Erden, aber neuen Lebensmut und Zuversicht. Er sitzt auf dem Stein und hält den Zugang zur guten Botschaft offen.

Lied „Du verwandelst meine Trauer in Freude“

Fürbitte und Vaterunser

„Er ist auferstanden!“ „Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Jesus ist das Licht der Welt. Er hat den Tod überwunden.

Gott, wir bitten dich für dein Licht in deiner Welt, deiner Gemeinde, in jedem Menschen. Wir bitten dich für dein Licht im Krieg und im Streit und für deinen Frieden. Wir bitten dich für dein Licht für die Traurigen, Einsamen und Kranken.

Wir bitten dich für dein Licht in der Pandemie, die uns müde macht. Wir bitten dich für die Hoffnungsvollen und Zuversichtlichen, die uns zeigen: Das Leben ist stärker als der Tod. Hab Dank für die frohe Osterbotschaft: Er ist auferstanden!

Segen

Gott segne dich mit der Weite des Himmels, mit der Wärme der Sonne, mit der Frische des Wassers, mit dem Rauschen der Wälder, mit den Träumen der Kinder, mit der Liebe der Eltern. Gott segne dich und schenke dir seinen Frieden. Amen.

Karfreitag

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer kann ermessen, wie tief menschliches Leid geht? Hilflos stehen wir manchmal davor. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Wer so schreit, fühlt sich ganz allein. Doch Gott weicht dem Leid nicht aus. In Jesus begibt Gott sich selbst ohne Kompromisse in die Verzweiflung. Verraten, verspottet, gefoltert und schließlich am Kreuz hingerichtet. Er ist den Menschen im Leiden nah. Zeichen dafür ist das Kreuz, das Himmel und Erde verbindet. Karfreitag feiern wir im Namen der Kraft, die im Leben und im Tod zu uns hält, im Namen des Leidenden und im Namen des guten Geistes, der uns über Abgründe begleitet.

Lied: EG 85 Oh Haupt voll Blut und Wunden

Gebet

Jesus Christus, dein Kreuz – Zeichen der Not, Zeichen des Unrechts, Zeichen der Vernichtung, Zeichen der Versöhnung. Möge es immer wieder zum Zeichen der Hoffnung werden. Darum bitten wir dich. Amen.

Einleitung in den Predigttext

Karfreitag erschließt sich aus den Ostererfahrungen der Jünger. Nach Jesu Tod sind die Jünger verstört und verzweifelt. Alle Evangelisten erzählen, wie sich die Jünger erst einmal verkriechen. Es ist schwer zu verstehen: Jesus wehrt sich nicht, lässt alles geschehen und stirbt wie ein Verbrecher im römischen Reich. Beheimatet in den altestamentlichen Geschichten finden die Jünger Texte, die ihnen Antworten auf ihre verzweifelten Fragen geben können. Die Gottesknechtslieder aus dem Jesjabuch gehörten dazu. Im 4. Gottesknechtslied, Predigttext in diesem Jahr, erkennen sie im leidenden Gottesknecht Jesus Leiden.
Predigttext Jesaja 52, 13-15;53, 1-12

Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein. Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –, so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren. Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des Herrn offenbart?

Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn. Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war. Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. Aber der Herr wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des Herrn Plan wird durch ihn gelingen. Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Auslegung

Du Opfer! Mit diesem Schimpfwort werden Menschen belegt, von denen man meint, sie seien dumm, schwach und unbrauchbar, ja man könne mit ihnen machen, was man will.

Das 4. Gottesknechtslied beschreibt das Opfer eines Einzelnen dagegen als eine herausragende Leistung. Eindrücklich beschreibt das Lied die körperlichen und seelischen Leiden des Menschen, der alles erträgt. Das mit anzusehen ist für viele schwer. Sie schauen lieber weg. Zu schrecklich der Anblick, zu aussichtslos die Lage, zu verstörend der Gedanke, dass einer ohne Gegenwehr bis in den Tod hinein bereit ist zu gehen. Doch damit nicht genug. Es ist nicht umsonst. Das Opfer bekommt einen tieferen Sinn für viele.„Nachdem er so viel erduldet hat, wird er sich wieder sattsehen am Licht. Mein Knecht kennt meinen Willen. Er ist gerecht und bringt vielen Gerechtigkeit. Ihre Schuld nimmt er auf sich.“

Wer dieser Gottesknecht im Predigttext ist, ist ungeklärt. Ist es der Prophet, eine herausragende Persönlichkeit, gibt es ein geschichtliches Vorbild oder ist es eher ein Blick in die Zukunft? Klar ist, dass nicht das ganze Volk Israel ( wie in den anderen Liedern), sondern wirklich ein Einzelner gemeint ist. Mit dem Leiden verbunden ist die Hoffnung auf einen Neuanfang mit Gott. Der Text wurde in einer Zeit geschrieben, in der eine Wende für das Volk Israel denkbar erschien. Das Licht am Ende des Tunnels leuchtete schon auf. Deuterojesaja (ein Nachfolger des Propheten Jesaja), dem dieser Text zugeschrieben wird, erzählt in fast seelsorgerlichen Bildern, dass es Gottes Wille sei, seinem geliebten Volk eine neue Zukunft zu ermöglichen und der Gottesknecht hat dabei eine wichtige Funktion.

Auch Jesus bringt dieses Opfer! Nach dem Tod Jesu lesen die ersten Jünger und Jüngerinnen das 4. Gottesknechtslied mit neuen Augen. Wort für Wort, Zeile für Zeile sehen sie im Leben und Leiden Jesu Parallelen zum leidenden Gottesknecht. Aber sie sehen noch mehr. Jesus ist der Einzige, der wahre Gottesknecht. In ihm erfüllen sich die Prophezeiungen des Propheten für alle Zeit. Weitere Opfer braucht es nicht mehr.

Bist du bereit Opfer zu bringen? 2014 wurde 100 Jahre nach dem Ausbruch des 1. Weltkrieges eine Umfrage unter dieser Fragestellung gestartet. 20.000 Radio-HörerInnen und Internetnutzer aus Deutschland, Belgien, Kananda, Österreich, Polen, der Schweiz, Senegal und Rumänien beteiligten sich.

Sein Leben für die Nation opfern? Das kam für ein Fünftel der Teilnehmer in Frage, außer bei den Polen. Da äußerten 50% ihre Bereitschaft im Zweifel auch für das eigene Vaterland zu sterben. In nahezu allen Ländern meinten 9 von 10 Befragten sich für ihre Familie opfern zu wollen und die Hälfte der Befragten wären bereit, für ihre Ideale das Leben aufs Spiel zu setzen. Die drei höchsten ideellen Werte sind z.B. für die Deutschen sind Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit, für die Franzosen Solidarität, Ökologie und gute Bildung und für die Polen die eigene Familie, die Freiheit und das eigene Vaterland.

Wolfram Eilenberger, Philosoph, schreibt zu den Ergebnissen der Umfrage ein kurzes Vorwort. Er meint, dass es in der Natur des Menschen liege, sich für Ideale einzusetzen, ja sich sogar zu opfern. „Für eine konkrete Vorstellung dessen, wie die Welt, in der wir leben, sein sollte … Es sind … Ideen, deren unbedingten Wert jeder verstehen und im Herzen nachempfinden kann. … Bis heute vermag kein Soziobiologe und auch sonst kein Wissenschaftler überzeugend zu erklären, woher dieses philosophische Ideal in uns kommt und auch nicht, worin seine unmittelbar motivierende, alle Grenzen sprengende Kraft besteht.“ Ja er stellt sogar fest, dass uns eine gewisse Opferbereitschaft erst zum Menschen macht.

Ein menschliches Opfer hat seine Grenzen. Vermeintliche Opfer der Umbrüche, Umstände) meinen damit jedes Verhalten rechtfertigen zu können – auch gewalttätige Angriffe auf Minderheiten oder die Staatsgewalt. Opfer werden zu Tätern, weil ihre Traumata nicht aufgearbeitet sind (Kindersoldaten, Missbrauch). Aufrufe, Opfer zu bringen, damit wir schneller durch die Pandemie kommen, zerschlagen sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen, die alle berechtigt, aber schwer unter einem Hut zu bringen sind.

Der Grad zwischen Opferbereitschaft und Fanatismus ist sehr schmal.

Jesus war bereit, Opfer zu bringen und die Konsequenzen seines Handelns zu ertragen bis in den Tod ohne dafür andere verantwortlich zu machen. Das erzählen alle Evangelien gleich. Doch seine letzten Worte werden unterschiedlich erzählt. Bei Markus und Matthäus schreit er seine ganze Verzweiflung zu Gott: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Ein Opfer bringt an belastbare Grenzen. Bei Lukas sagt er voller Vertrauen: „Meinen Geist lege ich in deine Hände.“ Der selbst gewählte Weg ist kein einsamer Weg. Bei Johannes spricht er: „Es ist vollbracht!“ Es gehört auch die freie Entscheidung dazu. Gut, dass alle Worte ihren Platz im NT haben.

Du, Opfer? Ja, manchmal opfere ich Zeit und Kraft und Gesundheit für andere. Erlebe ich in schweren Momenten, dass ich nicht alleine bin und ja, ich kann mich dafür oder dagegen entscheiden. Jesus entschied sich für uns und diese Welt ohne Anklagen und Fanatismus. Gott sei Dank.

Lied EG 700 „Bleibet hier und wachet mit mir“

Fürbitten

Jesus Christus, gekreuzigter und auferstandener Herr, wir sehen auf Dein Kreuz. Du gehst den Weg der Hingabe und des Leidens und verzichtest auf alle Deine Macht. Du erduldest das Elend der Welt. Höre auf unsere Bitten: In Deinem Kreuz erkennen wir die Bosheit und den Unfrieden dieser Welt. Lass uns nicht wegschauen, wenn Unrecht geschieht. Hilf uns eigenes Leid anzunehmen und fremdes Leid mitzutragen.

In Deinem Kreuz erkennen wir die Willkür der Mächtigen. Lass uns den Weg zu den Gescheiterten finden, zu denen, die an den Rand geschoben werden. Hilf uns für sie einzutreten. In Deinem Kreuz erkennen wir, wie gnadenlos Menschen miteinander umgehen. Hilf uns barmherzig zueinander zu sein, auch zu den Menschen, die uns nicht angenehm sind. In Deinem Kreuz erkennen wir, dass menschliche Anmaßung blind macht für Gottes Wege. Lass uns wahrnehmen, wo wir falschen Zielen nachlaufen. Schenke uns Mut zur Umkehr.

Öffne uns die Augen für das Geheimnis des Glaubens.

Vater unser

Segen

Der Herr segne dich und behüte dich deinen Leib und deine Seele

Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig,

seiner Liebe kannst du vertrauen.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden

Tag und Nacht, in Zeit und Ewigkeit. Amen