Gottesdienst aktuell

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Riesenkürbis und die volle Ähre, die Honigwabe und das Brot – auf dem reich geschmückten Erntealtar kommen die Fülle der Natur und Früchte der Arbeit zur Geltung. In den Augen der Betrachtenden erweisen sich diese lebensnotwendigen Gaben als liebevolle Geschenke aus der Güte Gottes und dafür sagen wir auch in diesem Jahr „DANKE“.

Lied: EG 512, 1-2.4.6 Herr, die Erde ist gesegnet / Melodie „Herz und Herz vereint zusammen“

Gebet

Lebenspendender Gott, du gibst uns alles, was wir nötig haben. Du schenkst uns Nahrung und Wachstum, Gesundheit und Lebensfreude. Erfülle unsere Herzen mit Liebe, damit wir miteinander teilen. Schenke uns, was uns Jesus verheißen hat: Brot und Wein, Frieden und Gerechtigkeit. Amen

Einleitung

Die Aufforderung zum fröhlichen Geben begründet Paulus mit dem Gedanken: Gottes Fülle schenkt Fülle. Gottes Fülle ist Gnade. Jede und jeder kann reichlich geben, weil er und sie sich der gegenwärtigen wie auch der künftigen Fülle Gottes sicher sein kann. Paulus beschreibt die Fülle Gottes mit dem griechischen Wort charis, was das 8. und 9. Kapitel des 2. Korintherbriefes wie ein roter Faden durchzieht. Luther übersetzt es immer unterschiedlich, mal mit „reichlich“, „Wohltat“, „Dank“ oder „Gnade“, so dass man im Deutschen schwerer den gedanklichen Bogen, den Paulus schlägt, erkennen kann. Kapitel 8 beginnt mit dem Satz: „Wir tun euch kund die Gnade Gottes.“ Und Kapitel 9 endet mit dem Satz: „Diese ist so umfassend, gewaltig und groß, dass sie nicht zu Ende erzählbar ist.“ Aus diesem Erzählbogen heraus argumentiert Paulus, dass der Mensch nicht aus Pflichtgefühl, sondern von innen heraus, von Herzen schenken kann.

Der historische Hintergrund seiner Bitte um eine Kollekte ist die Not der Jerusalemer Christinnen und Christen. Er bittet, sie zu unterstützen. Es geht ihm nicht nur um den materiellen Aspekt einer Kollekte aus Korinth, sondern auch um Danksagungen, Gebete und Fürbitten der Jerusalemer für die Korinther. Die Fülle zeigt sich im Geben und Nehmen. Ja, Paulus geht soweit zu sagen, dass die Gabe an die Jerusalemer für die Korinther die Bestätigung des Glaubens an Christus ist. Mit der Kollektengabe für eine andere Gemeinde wurde und wird die weltweit verbundene Christenheit begründet und gepflegt.

Predigttext 2. Korinther 9, 6-15

Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen.  7Ein jeder, wie er’s sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unwillen oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.  8Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk; ..11So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott. Denn der Dienst dieser Sammlung füllt nicht allein aus, woran es den Heiligen mangelt, sondern wirkt auch überschwänglich darin, dass viele Gott danken. 13Um dieses treuen Dienstes willen preisen sie Gott für euren Gehorsam im Bekenntnis zum Evangelium Christi und für die Lauterkeit eurer Gemeinschaft mit ihnen und allen. 14Und in ihrem Gebet für euch sehnen sie sich nach euch wegen der überschwänglichen Gnade Gottes bei euch. 15Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

Auslegung

„Geschenkt!“ – Wer nachdenklich vor einem Erntedankaltar steht, dem mag die Erinnerung an einen Gabentisch kommen. Zum Geburtstag oder zu Weihnachten gibt es häufig einen Gabentisch. Darauf finden sich überraschende und wertschätzende Geschenke, manchmal vielleicht auch Pflichtgeschenke. Geschenke stehen im Gegensatz zu dem, was wir uns verdienen müssen/sollen oder was wir uns geliehen haben auf Zeit und wieder zurückgeben. Jedes Geschenk macht die Großzügigkeit und Selbstlosigkeit der Schenkenden sichtbar. Das zeigt sich bestenfalls unter Menschen, aber immer bei Gott. Die Tradition der Geschenke ist tief in unserer Kultur verwurzelt und der Erntedankaltar bringt das in ganz eigener Weise zum Ausdruck. Gott beschenkt seine Kinder, der Schöpfer bereichert die Geschöpfe, indem er gibt. Wir können die Geschenke Gottes nicht erwidern, aber seine Großzügigkeit anerkennen. Dankbarkeit ist kein Gebot, sondern eine Einsicht, die der Erntedankaltar fördert. Im Geschenk begegnen Menschen immer auch den Schenkenden; und in der Freude über das Geschenk würdigen sie die, die geschenkt haben. Es ist nicht die Frage, ob wir den Apfel essen, der auf dem Erntedankaltar liegt; es kommt darauf an, wie wir ihn in die Hand nehmen, um ihn zu essen. Dazu gehört wohl auch der Gedanke, ob wir eventuell einen Apfel essen, den Gott Anderen zugedacht hat. Der Goldgrund der Schenkenden strahlt immer auch auf die aus, die die Geschenke entgegennehmen und weitergeben oder eben auch manchmal vergessen, sie weiter zu geben.

Die schönsten Geschenke sind wohl die, die keinen Anlass in sich tragen. Wenn ich etwas für eine andere Person finde und ihr einfach so mitbringe, dann erinnert das irgendwie auch an die göttlichen Geschenke. Und wenn ich einen anderen Menschen entdecke, der mir zum Freund, zur Freundin wird, wird er/sie selbst zu einem Geschenk für mich. Jede dieser Begegnungen erzählt auf ihre Weise von Gott, einfach weil ein Mensch da ist, auch für mich. So betrachtet könnte selbst das Ende eines Lebens, wenn ich dankbar zurück schaue, den Charakter eines Erntedankfestes in sich tragen.

„Geschenkt?“ – wird manchmal aber auch abwertend gesagt. Geschenkt, was du mir zu sagen hast oder bringen willst. Ich brauche es nicht, will es nicht haben, komme alleine zurecht. Es ist wertlos. Nur das selbst Erworbene, das Verdiente und mit eigener Kraft Erschaffene hat einen Wert.

Bei dieser Sicht der Dinge wird etwas Wesentliches übersehen: Kein Mensch lebt nur aus sich selbst, jeder lebt jeden Tag des Lebens auch von Anderen und durch Andere. Wer das übersieht, der übersieht ein Grundgesetz des Lebens. Denn kein Mensch ist der Grund seiner eigenen Existenz, andere haben über seine Entstehung und Entwicklung entschieden. Wir wachsen, weil andere uns ihre Liebe, ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung, ihre Zeit und Kraft schenken. Wir können besser unser Leben zu Ende bringen, wenn Menschen Hilfe und Pflege und Zeit und Kraft verschenken. Menschen sind aufeinander angewiesen zu jeder Zeit eines Lebens, brauchen Sorge, Aufmerksamkeit und praktizierte Solidarität. Ohne diese Dinge wird das Leben wahrlich unmenschlich. Schenken macht das Leben erst menschlich.

Wo Menschen schenken und beschenkt werden, da erzählen sie vom Grund unseres Lebens und von Gottes grundloser Gnade.

„Geschenkt“ – das Erntedankfest mit seiner Farbenfülle, seiner Geschmacksvielfalt und seinem Reichtum lässt neu darüber nachdenken. Nicht abwertend, sondern bewundernd und dankbar.

Lied EG 420 Brich mit den Hungrigen dein Brot

Fürbitten und Vaterunser

Guter Gott, du teilst mit uns und machst uns reich und satt, jetzt und jeden Tag.

Hilf uns, was du uns gibst, zu ehren. Hilf uns, dir zu vertrauen und so sorgenloser zu leben. Hilf uns, ein waches Gewissen zu behalten und Hände, die abgeben können. Hilf uns mitzuhelfen, dass bald der Tag kommt, an dem alle einen gedeckten Tisch haben. Wir bitten dich für unsere Familien, für Eltern und Kinder, für Ältere und Jüngere und für die Bedürftigen in deiner Welt. Lehre uns Wege des guten Zusammenlebens, Wege des Friedens und des gemeinsamen Glücks. Amen

Segen

Dein Weg führe dich stets aufwärts und freundliches Wetter begleite deinen Schritt. Wenn dir der Gang schwer fällt, stärke der Wind dir den Rücken. (irischer Segen)