Liebe Leserin, lieber Leser,

ganz normale Menschen sind bereit, Altes aufzugeben und mit Gott neue Wege zu gehen. Davon erzählt die bibel viele Geschichten und an diesem Sonntag stehen einige von ihnen im Mittelpunkt – Mose – Petrus – Paulus – Ihre Entscheidungen scheinen von außen betrachtet unvernünftig und riskant. Familie, soziale Kontakte, Werte werden verlassen oder aufgegeben und Unverständnis und Spott ihrer Umgebung und den Widerspruch ihrer eigenen Familien in Kauf genommen. Doch die Erfahrungsberichte der Menschen, die es wagten, erzählen von Veränderungen, Irrtümern und von neuen Einsichten, die nur mit ihrer Entscheidung möglich geworden war. Ihre Geschichten erzählen nicht vom Erfolg aus eigener Kraft, sondern dass von der Suche nach Vertrauen in Gott. So wie es schon im Epheserbrief heißt: Aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es.

Lied EG 440 “ All Morgen ist ganz frisch und neu“

Gebet

Herr Jesus Christus, du hast uns in deinen Dienst gerufen. Dafür danken wir dir und bitten dich: Gib, dass wir auf dich hören, deinem Wort alles zutrauen und unverzagt den Weg gehen, den du uns führst. Du bist für uns da, der du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes lebst und regierst in alle Ewigkeit. Amen.

Predigttext Lukas 5, 1-11

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, da stand er am See Genezareth. 2 Und er sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. 3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus. 4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus! 5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. 6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische und ihre Netze begannen zu reißen. 7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und ihnen ziehen helfen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, sodass sie fast sanken. 8 Da Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch. 9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfasst und alle, die mit ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten, 10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. 11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Gedanken dazu:

Da hat einer einen großen Fang gemacht! Ja, den Fang seines Lebens!
Einen Fang mitten am Tag – allen Erfahrungen zum Trotz – berstende Netze und volle Boote nehmen ihn gefangen, lassen ihn nach helfende Hände rufen, um mit den Kollegen, Nachbarn und Freunden den großen Fang sicher im Hafen anzulanden. Einen Fang, der ihn jedoch nicht begeistert jubeln lässt, sondern auf den Boden wirft. Ein Fang, der ihn innerlich aufwühlt. „Herr geh weg von mir, ich bin ein sündiger Mensch“ Kein Stolz, keine Erfolgsmeldungen im Dorf, sondern …ein großes Erschrecken und überwältigt. Vielleicht eine Ahnung von der Endlichkeit und einem Zeichen Gottes? „Herr geh weg!“ verlangt Simon von dem, den er spätestens jetzt nicht mehr weg bekommt. Simon ahnt, wer da begonnen hat den Kurs seines Lebens zu bestimmen. Jedoch – „Ich bin ein sündiger Mensch.“ könnte vielleicht heißen: „Ich bin nicht würdig für diesen Fang, diese Erfahrung übersteigt mein Wissen, sie geht über meine Kräfte!“ Da hat einer einen großen Fang gemacht! Ja den Fang seines Lebens. Einen Fang, der auch sein Leben verändern wird. „Fürchte dich nicht, ab heute wirst du Menschen lebendig fangen.“ Jesus, zurückgekehrt an den See Genezareth, in die Nähe seiner Heimat, traf in einer bedrängenden Situation auf seinen Bekannten Simon. Bei ihm war er schon vor einiger Zeit unter gekommenm, konnte damals der schwer erkrankten Schwiegermutter helfen. Zur rechten Zeit begegnete er dem Vertrauten, konnte auf ihn zählen und wollte ihn als Begleiter nicht mehr missen. Da haben wir mit dieser Geschichte einen großen Fang gemacht. Der Evangelist Lukas erzählt als einziger wort- und bilderreich wie Jesus seine ersten Anhänger für sich und seine Sache gewonnen hatte und möglich macht,eigene Beweggründe Gott zu glauben, zu überprüfen. Die Gefühle des Simon und äußeren Zeichen erzählen eine Berufung, die sich in die Tradition vieler Gottesbegegnungen einreihen lässt. Ein besonderes Zeichen, Erfurcht und Erschrecken, demütige Zurückhaltung, überzeugende Argumente und die Entscheidung. Der erste Jünger Jesu steht in der Tradition eines Mose oder des Propheten Jeremias… Keine glatt geschliffenen Erzählungen für die nachkommenden, sondern Geschichten, die nicht vorenthalten, dass der große Apostel Petrus, auf den Jesus seine Kirche bauen will, seine Ecken und Kanten hat, Fehler macht wie jeder andere Mensch. Vor drei Tagen wurde der Beschluss des Verfassungsgerichtes im Radio kontrovers kommentiert, ob auch noch nach 40 Jahren, die Fehler eines Prominenten von der Presse veröffentlicht werden dürfen. Das Bundesverfassungsgericht bekräftigt die Pressefreiheit bei der Berichterstattung über weit zurückliegende Fehltritte bekannter Persönlichkeiten. Die Möglichkeit, Dinge zu erwähnen, die der Betroffene ungern über sich in der Zeitung liest, erlösche nicht „schematisch durch bloßen Zeitablauf“, entschieden die Richter in Karlsruhe. Wenn nach Auffassung der Verfassungsrichter, jemand öffentlich tätig ist und selbst die Öffentlichkeit sucht, könne er“nicht verlangen, dass ihre in der Vergangenheit liegenden Fehler, nicht aber ihre Vorzüge, in Vergessenheit geraten“. Nur gut, dass die Autoren unserer biblischen Geschichten ähnlich dachten und uns in den Evangelien ein menschlicher Simon Petrus begegnet. Mit dem ersten großen Fang hat Petrus alles richtig gemacht und ist Jesus gefolgt, hat alles hinter sich gelassen und ein Leben in Unsicherheit gewählt, auch in Unsicherheit wie es mit seiner Familie weiter gehen wird. Mit dem ersten großen Fang hat Jesus Petrus und seine Gefährten Jakobus und Johannes als Begleiter gewonnen. Es kommen noch weitere hinzu, die mit ihm durch das Land ziehen und seine Sache weiterführen und davon auch davon erzählen, was es heißt, dass Gott das Leben verändern kann, einen anderen Weg einzuschlagen, wenn es notwendig ist oder es noch einmal zu versuchen, obwohl alles dagegen spricht. Bleiben oder gehen. Bewahren oder Wagen. Aushalten oder sich Trennen. Zwischen diesen Polen bewegen sich Neuanfang und Irrtum, bewegen sich die ersten Apostel wie auch die Aufbrüche in unserer Kirche. In diesen Tage wurden die 11 Leitsätze des Zukunftsteams der EKD, dass sich 2017 gründete, veröffentlicht – überschrieben mit dem Bibelvers: Hinaus ins Weite – ein Zitat aus eine Dankgebet des König Davids im 2. Samuelbuch. Einleitdend wird darin festgestellt: Die Kirche der Zukunft bleibt Gottes Kirche; sie wird in Deutschland aber eine Kirche mit weniger Mitgliedern und weniger Ressourcen sein. …Christlicher Glaube hat für viele Menschen an Plausibilität und Relevanz verloren. …Die Bindungskraft der Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen und ihre gesellschaftliche Bedeutung haben abgenommen. Die Krise der Akzeptanz von Kirche und ihrer Botschaft geht einher mit einer tieferliegenden Glaubenskrise. Daher ist die Frage nach der Zukunftsperspektive eine geistliche. Diese selbstkritische Sicht lässt danach fragen: Passen unsere Antworten noch auf die Fragen der Menschen in dieser Zeit? Sparmaßnahmen und Strukturelle Überlegungen legen kein Zeugnis über unseren Glauben ab. Die Coronapandemie wird unsere Gesellschaft nachhaltig verändern: Auch für die Kirche wird die Rückkehr zum Zustand vor der Krise ebensowenig möglich sein wie der dauerhafte Rückzug in den privaten Bereich oder die ersatzlose Verschiebung öffentlichen Lebens in den virtuellen Raum. Andererseits hat die Coronakrise vor Augen geführt, wieviel kreatives Potential die evangelische Kirche kurzfristig aufbringen kann, um Freiheiten zu bewahren und die kommunikative Gemeinschaft des Evangeliums auch unter veränderten Bedingungen zu leben. Es braucht Mut, Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen und neue Wege zu erproben. Und es bedarf der Zuversicht und des Vertrauens auf Gottes Verheißungen. An dieser Stelle muss ich nochmal sagen, dass ich den Kirchenältesten unserer Gemeinde dankbar bin, dass sie den ersten Sonntag im Monat nach der Stellenkürzung nicht ersatzlos streichen wollten, sondern sich für die Wochenschlussandacht entschieden haben, um geistlich im Gespräch zu bleiben. Die 11 Leitsätze betreffen – Öffentlichkeit, Frömmigkeit, Mission, Ökumene, Digitalisierung, Kirchenentwicklung, Zugehörigkeit, Mitarbeitende, Leitung, Strukturen, EKD/Landeskirchen und können in der nächsten intensiv diskutiert werden.

Lied EG 171 „Bewahr uns Gott, behüte uns Gott

Fürbitte

Gott, du Quelle des Segens, vor uns sehen wir unser Leben: mit Fragen und Aufgaben, mit Hoffnungen und Enttäuschungen. Mit vielfältigen Erfahrungen und der Erkenntnis Wir brauchen deinen Segen für uns und für unsere Welt.

Wir bitten dich für deine Kirche auf ihrem Weg durch die Zeit, dass sie durch das Wort vom Kreuz in die Nachfolge Jesu Christi ruft. Lass sie zum Segen werden für Starke und Schwache, für Fragende und Selbstsichere, für Leidende und Fröhliche.

Wir bitten dich für unser Volk und die Gemeinschaft der Völker, dass sich die Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit erfüllt. Für Entscheider und Präsidentinnen,
für Maßhalten, Schutz, Abstand und Nähe. Zeig´ dich, Gott, mitten im Chaos, immer wieder.

Wir bitten dich für Ferienkinder und Urlaubserwachsene. Freie Zeit und leichtes Herz, zu Hause ohne Schule oder vorsichtig über die Grenze in ein anderes Land –

Und für die unruhigen Herzen bitte wir Dich, Gott. Für alles „ich müsste mehr tun“, jedes „ich hab nichts geschafft“.

Wir bitten dich für uns, dass du uns nicht allein lässt auf unserem Weg. Leite uns mit deinem Wort durch gute und durch böse Zeiten. Du hast uns in Christus deine Liebe geschenkt. Ihm vertrauen wir heute und in Ewigkeit.

Vaterunser

Segen

Gott segne deine Zeit

die Zeit der Arbeit und die Zeit der Ruhe

die Zeit des Glücks und die Zeit des Leids

die Zeit voller Kraft und die Zeit der Schwäche

die Zeit des Erkennens und die Zeit des Fragens.

Er lasse alle Zeit zum Segen werden

für dich und für andere.

So segne dich der gütige Gott, der Herr aller Zeit.