Gottesdienst aktuell

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott“, so der Wochenspruch für den 20. Sonntag nach Trinitatis. Doch was heißt das im Alltag? Was bedeutet das bei strittigen Fragen und Themen?

Der heutige Sonntag fragt nach dem Sinn von Ordnungen und spart auch unbequeme Themen nicht aus. Vor allen Ordnungen steht jedoch Gottes Treue, sein Bund mit den Menschen und seine Liebe, die stark ist wie der Tod. Wer nach Gott in seinem täglichen Leben fragt und nach dem, was den Menschen dient, wird Antworten finden, die dem Leben dienen werden.

Lied EG 408 Meinem Gott gehört die Welt

1 Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt, ihm gehört der Raum, die Zeit, sein ist auch die Ewigkeit.

2 Und sein eigen bin auch ich. Gottes Hände halten mich gleich dem Sternlein in der Bahn; keins fällt je aus Gottes Plan.

3 Wo ich bin, hält Gott die Wacht, führt und schirmt mich Tag und Nacht; über Bitten und Verstehn muss sein Wille mir geschehn.

4 Täglich gibt er mir das Brot, täglich hilft er in der Not, täglich schenkt er seine Huld und vergibt mir meine Schuld.

5 Lieber Gott, du bist so groß, und ich lieg in deinem Schoß wie im Mutterschoß ein Kind; Liebe deckt und birgt mich lind.

6 Leb ich, Gott, bist du bei mir, sterb ich, bleib ich auch bei dir, und im Leben und im Tod bin ich dein, du lieber Gott!

Gebet

Barmherziger Gott, heute am Sonntag sind wir hier, um Dich anzurufen, an dem Tag, an dem wir mehr Zeit haben als sonst, an dem Tag, auf den sich die einen freuen, während andere Angst vor ihm haben.

Wir bitten Dich: Lass uns diesen Tag zur Freude werden. Fülle unsere Zeit mit Deiner Kraft. Gib, dass wir auf das Heil vertrauen, das Du uns schenkst durch Jesus Christus.

Einleitung zum Predigttext

Jesus ist mit seinen Jüngern am Galiläischen Meer unterwegs. Immer wieder ruft sein Handeln Verwunderung und Diskussionen hervor, die dazu dienen, sich selbst zu fragen: Wie stehe ich selbst dazu? Kann ich dem Gedankengang folgen? Kann ich es mit meinem Glauben vereinbaren? Im Predigttext für den heutigen Sonntag geht es um die Frage der Sabbatruhe. Wie halten wir es mit der Sonntagsruhe?

Markus 3, 23- 28

Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging, und seine Jünger fingen an, während sie gingen, Ähren auszuraufen. Und die Pharisäer sprachen zu ihm: Sieh doch! Warum tun deine Jünger am Sabbat, was nicht erlaubt ist? Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, da er Mangel hatte und ihn hungerte, ihn und die bei ihm waren: wie er ging in das Haus Gottes zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar und aß die Schaubrote, die niemand essen darf als die Priester, und gab sie auch denen, die bei ihm waren? Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.

Predigtgedanken

Es ist Freitagabend. Die Tische in der Jugendherberge am Fuße der Masadafestung am Toten Meer in Israel sind festlich mit weißen Tischdecken gedeckt. Das Buffet ist so reichhaltig, wie wir es auf unserer Reise noch nie erlebt hatten. Es ist Freitagabend, der Sabbat beginnt. Familien, Senioren, Reisende aus aller Welt füllen den großen Essensaal, es herrscht eine ausgelassene Stimmung und die Besonderheit dieses Abends ist mit Händen zu greifen. Sabbat beginnt am Freitagabend mit einem gemeinsamen Essen in Familien, unter Freunden oder in einer Jugendherberge, bevor am Samstag das geschäftige Leben in Israel zur Ruhe kommt.

Abraham Joshua Heschel, 1907 in Warschau geboren, 1972 in den USA verstorben schrieb 1951 ein kleines Buch: Der Sabbat. Seine Bedeutung für den heutigen Menschen.

In seinen Betrachtungen zum Sabbat ist am 7. Tag, dem Sabbat, Zeit für das Geistliche, das Himmlische, Göttliche und Ewige. Er schreibt: „Im Reich der Zeit ist das Ziel nicht haben, sondern sein, nicht besitzen, sondern geben, nicht beherrschen, sondern teilen, nicht unterdrücken, sondern Solidarität üben.“

So wie es im Schöpfungsbericht heißt: Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, weil er an ihm ruhte von allen seinen Werken. Ohne Ruhe war die Schöpfung nicht vollkommen. Wer die Sabbatruhe stört, stört den schöpferischen Prozess der Ruhe Gottes.

Es ist also logisch, dass die Pharisäer mit Erschrecken sehen, dass Jesus mit seinen Jüngern durch das Feld streift und sie die Ähren raufen. Die Einhaltung der Sabbatruhe ist eines der Zehn Gebote  und macht den „ewigen Bund“ zwischen Gott und Israel sichtbar.

Die Sabbatruhe unterscheidet das erwählte Gottesvolk von anderen Völkern und es bestand unter Pharisäern die Meinung: Wenn ganz Israel ein oder zweimal einen Sabbat mit allen Vorschriften hält, kommt der Messias. Sie wollte alles menschenmögliche tun.

Dass die die Auslegung der Sabbatruhe nicht so eindeutig ist, zeigt die Geschichte, die der Evangelist Markus uns erzählt. Jesus begründet die Notwendigkeit des Ährenraufens der Jünger mit einer Geschichte über David, der in seiner Not unkonventionell um das heilige Schaubrot aus dem Tempel bat, um den Hunger zu stillen. Wenn die Not so groß ist, dass es keinen Ort mehr gibt, wo man gemeinsam essen und den Sabbat feiern kann, dann muss diese Not gestillt werden, dann ist der Sabbat für den Menschen da.

Die Stillung des Hungers oder die Heilung eines kranken Menschen missachten nach Jesu Meinung nicht das Sabbatgebot, sondern sind sogar geboten. So verstehe ich auch Henschels Auslegung: „Im Reich der Zeit ist das Ziel nicht haben, sondern sein, nicht besitzen, sondern geben, nicht beherrschen, sondern teilen, nicht unterdrücken, sondern Solidarität üben.“

Was für die Juden der Sabbat ist, wurde für die Christen der Sonntag, der Sonnentag, der Tag der Auferstehung Jesu. Jeder Sonntag erinnert an den Ostertag, an dem die Frauen Jesus vergeblich bei den Toten suchten und ihn lebendig wieder fanden. Der Sonntag ist nicht nur ein Tag der Ruhe, sondern erinnert jede Woche neu an den Sieg des Lebens über den Tod. Grund genug also um sich Zeit zu nehmen und das Leben zu feiern mit einem Gottesdienst, einem Sonntagsessen, einem Besuch oder auch der Muße eines langweiligen Nachmittages.

Im Grundgesetz der Bundesrepublik ist der Sonntag als Tag der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt. Wichtiger denn je, denn wir leben in einer Zeit, in der zunehmend die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmt, in der die herkömmlichen Zeitstrukturen in Auflösung begriffen sind und die postmodernen Lebenswelt zusehends den Atem raubt.

Sicher gibt es einige Aufgaben und Arbeiten, die auch am Sonntag notwendig sind, um die Not zu wenden.

Trotzdem gilt so wie Rabbi Heschel schreibt: „Der Sabbat ist ein Tag für das Leben. Der Mensch ist kein Lasttier, und der Sabbat dient nicht dem Zweck, seine Arbeit erfolgreicher zu machen. […] Der Sabbat ist nicht um der Wochentage willen da, die Wochentage sind um des Sabbat willen da. Er ist kein Intermezzo, sondern Höhepunkt des Lebens.“

Lied EG 162 Gott lob, der Sonntag kommt vorbei

1) Gott Lob, der Sonntag kommt herbei, die Woche wird nun wieder neu. Heut hat mein Gott das Licht gemacht, mein Heil hat mir das Leben bracht. Halleluja.

2) Das ist der Tag, da Jesus Christ vom Tod für mich erstanden ist und schenkt mir die Gerechtigkeit,
Trost, Leben, Heil und Seligkeit. Halleluja.

3) Das ist der rechte Sonnentag, da man sich nicht g’nug freuen mag, da wir mit Gott versöhnet sind,
dass nun ein Christ heißt Gottes Kind. Halleluja.

4) Mein Gott, lass mir dein Lebenswort, führ mich zur Himmelsehrenpfort, lass mich hier leben heiliglich
und dir lobsingen ewiglich. Halleluja.

Fürbitte

Gott, Du Quelle des Lebens. Du schenkst uns den Sonntag als Tag der Ruhe, der Lebensfreude und der Freiheit. Wir bitten Dich: Lass uns zur Ruhe kommen, auch dann, wenn die Arbeit noch nicht fertig ist.

Hilf, dass wir in der Freiheit der Kinder Gottes unser Leben einteilen in Zeiten der Arbeit und Zeiten der Ruhe. Schenke uns, dass wir den Rhythmus der Woche genauso genießen wie den Wechsel von Tag und Nacht, von Anstrengung und Erholung.

Gott, Du Befreier der Menschen. Du schenkst uns den Sonntag als Vorgeschmack auf deine Ewigkeit.

Wir bitten Dich: Für die Menschen, die in Not leben. Für alle, die unter Hunger, Krieg und Ungerechtigkeit leiden. Stehe Du ihnen bei mit Deiner heilenden Kraft und lass sie Wege zurück zum Leben finden.

Wecke Du die Bereitschaft, aufeinander zu zugehen, füreinander da zu sein und miteinander zu leben.

Gott, Du Herr Deiner Kirche. Du schenkst uns jeden Sonntag die Gemeinschaft deiner Gemeinde.

Wir bitten Dich: Für die Menschen, die hier leben, die, die glauben und die, die zweifeln.

Hilf uns, miteinander zu leben und zu wachsen; gib, dass einer den anderen wertschätzt.

Hilf uns, Dir nachzufolgen, damit Deine Liebe und Barmherzigkeit sich unter uns ausbreiten. Amen.

Vaterunser

Das 3. Gebot nach Dorothee Sölle
Du sollst dich selbst unterbrechen. Zwischen Arbeiten und Konsumieren soll Stille sein – und Freude.
Zwischen Aufräumen und Vorbereiten sollst du es in dir singen hören, Gottes altes Lied von den sechs Tagen
und dem einen, der anders ist. Zwischen Wegschaffen und Vorplanen sollst du dich erinnern an diesen ersten Morgen, deinen und aller Anfang, als die Sonne aufging ohne Zweck und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit, die niemandem gehört außer dem Ewigen.