Gottesdienst aktuell

  1. Liebe Leserin, lieber Leser,

Die ersten Lichtern sind an und in den Häusern zu entdecken. Die dunkle Zeit bekommt einen hellen Schein, manchmal grell und blinkend, manchmal sanft und still. Laut muss der Empfang Jesu in Jerusalem gewesen sein. So erzählen alle Evangelien, wie Jesus mit großem Jubel begrüßt wird – wie ein König.

Spätestens mit dem 1. Advent beginnen für viele die Vorbereitungen für das Weihnachtsfest, wenn Gottes Gegenwart in der Welt in einem Kind sichtbar wird. Das Anzünden der Kerzen auf dem Adventskranz, das Singen der Advents-und Weihnachtslieder, das Backen und Basteln, die Briefe und Päckchen machen die Adventszeit zu einer einmaligen Zeit, auch in diesem Jahr.

Lied EG 17, 1 Wir sagen euch an, den lieben Advent

Psalm 24

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR, stark und mächtig, der HERR, mächtig im Streit.

Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!

Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr Zebaoth; Er ist der König der Ehre.

Gedanken zum Lied EG 1 „Macht hoch die Tür“

1903 brachte ein evangelischer Verleger aus München den ersten gedruckten „Türchenkalender“ heraus.

Auf diesem Weg den Kindern das Warten auf Weihnachten zu erleichtern, gewann der Kalender schnell an Beliebtheit. Später waren nicht nur Bildchen, sondern Schokolade und andere Süßigkeiten versteckt und heute gibt es vielfältige Varianten für Groß und Klein. Morgen für Morgen ein neues Türchen öffnen verbunden mit der Spannung, was wohl dahinter ist.

Eine Tür öffnet sich. Damit wird sie zum Sinnbild für den Übergang nach Innen oder Außen. Verschlossene Türen verbergen Geheimnisse oder schließen eine Sache ab. Geöffnete Türen laden ein, hindurch zu gehen, Geheimnisse zu entdecken oder etwas neues zu beginnen.

Der Türrahmen hat in der Regel eine Schwelle. Hohe Schwellen erfordern eine größere Aufmerksamkeit, niedrige Schwellen werden oft unterschätzt. Das Übertreten der Schwelle wird manchmal als eine unsichere Angelegenheit erlebt. Wer oder was erwartet mich hinter der Tür? Kann ich mir sicher sein, willkommen zu sein? Was ist, wenn ich nicht mehr zurück kann? Darum spricht man wohl auch von der Hemmschwelle, der Schwellenangst oder der Schwelle zum Erfolg. Im Leben erleben wir Schwellen bewusst oder auch unbemerkt – die Geburt, die Taufe, den Schulstart, die Konfirmation, die Hochzeit, die Beerdigung. Wir haben für diese Übergänge sogenannte Schwellenrituale entwickelt. Auf der Schwelle in den neuen (Lebens)Raum wird gebetet, gesegnet (z.B. Taufe und Hochzeit), gibt es hilfreiche Zeichen, z.B. die Begrüßung mit Handschlag oder eine Umarmung, Salz und Brot oder das Tragen einer Braut über die Schwelle.

In dieser Woche stehen wir wieder an der Schwelle in die Advents- und Weihnachtszeit. Was wird uns erwarten, was werden wir erfahren? Die neuen Bestimmungen geben ein wenig Planungssicherheit gerade auch für Weihnachten, aber für viele bleibt die Lage unsicher und sorgenvoll. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, das erste Adventslied im Gesangbuch, erzählt, wie die Tore des Tempels in Jerusalem sich weit öffnen, damit etwas neues beginnt.

Lied: EG 1,1 Macht hoch die Tür, die Tor macht weit

1 Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; Es kommt der Herr der Herrlichkeit, Ein König aller Königreich, Ein Heiland aller Welt zugleich, Der Heil und Leben mit sich bringt; Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, Mein Schöpfer reich von Rat.

Georg Weissel, ein Pastor, hatte dieses Lied 1623 zur Einweihung der neu erbauten Altroßgärter Kapelle in Königsberg (Ostpreußen) in Anlehnung an Psalm 24 gedichtet, „Hebet eure Tore, eure Häupter, erhebt euch, Pforten der Weltzeit, dass der König der Ehren komme“. Ein wahrhaft königliches Lied, ursprünglich mit einer anderen Melodie, doch schon Anfang des 18. Jhd. setzte sich die uns heute bekannte Melodie durch.

Ein Adventslied inmitten einer schwierigen Zeit geschrieben. In vielen Teilen Deutschlands wüteten Krieg und Pest. Auch Königsberg blieb davon nicht verschont, hatte mit den Folgen der Not zu kämpfen.

In dem Lied wird der wahre Herrscher beschrieben, ein Gegenbild zu den Herrschern seiner Zeit. Ein König kommt, der Frieden bringt, Barmherzigkeit und Trost. Ein König kommt ohne Schwert und Zerstörung, sondern helfend und mit Freude. Macht hoch die Tür, die Tor macht weit: Fast 400 Jahre lang hat nun schon dieses Türöffnerlied Menschen begleitet im Auf und Ab des Lebens, bei Krankheit, Tod und Schmerz, bei Kummer und Hoffnungslosigkeit und mit der Hoffnung dass sich Lebens(türen) neu öffnen werden.

Lied: EG 1,2-3 Macht hoch die Tür, die Tor macht weit

2 Er ist gerecht, ein Helfer wert; Sanftmütigkeit ist sein Gefährt, Sein Königskron ist Heiligkeit, Sein Zepter ist Barmherzigkeit; All unsre Not zum End er bringt, Derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott, Mein Heiland groß von Tat.

3 O wohl dem Land, o wohl der Stadt, So diesen König bei sich hat. Wohl allen Herzen insgemein, Da dieser König ziehet ein. Er ist die rechte Freudensonn, Bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott, Mein Tröster früh und spat.

Ein Jahr nach der Einweihung der Kapelle soll sich folgendes im Viertel zugetragen haben. Die Altroßgärtener waren dankbar für die eigene Kapelle, vor allem auch die Menschen aus dem Armenhaus. Nun war der Weg nicht mehr so weit zur Kirche. Doch dem reichen Fisch- und Getreidehändler Sturgis war es gar nicht recht, dass Sonntag für Sonntag die ärmlichen Menschen so dicht an seinem Hause vorbeigingen. So kaufte er kurzerhand die Wiese vor seinem Haus, machte daraus einen Garten mit einem hohen Zaun darum und mit einem Tor, das er fest verschließen konnte und einer kleinen Tür, damit er selbst schnell zur Kirche gelangte. Die anderen Menschen mussten nun einen großen Umweg gehen, um in die Kirche zu kommen.

Sie beklagten sich unter anderem beim Pastor Georg Weissel über die neuen Umstände.

Einige in der Gemeinde plädierten dafür, das traditionelle Adventssingen vor der Tür des Händlers Sturgis ausfallen lassen. Doch Pastor Weissel hatte eine Idee und zog mit dem Chor vor das verschlossenen Tor des Gartens. Dort sangen sie die Adventslieder. Sturgis war irritiert, dass die Sänger nicht näher an sein Haus herankamen, um wie jedes Jahr zu singen. Als er an das verschlossene Gartentor herantrat, begann Pastor Weissel eine kleine Ansprache zu halten. Er sprach vom König der Könige, der auch heute noch vor den verschlossenen Herzenstüren wartete und um Einlass bittet.

Danach begannen sie zu singen: „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Nach der zweiten Strophe des Liedes öffnete der Mann sein Gartentor und lud alle in sein Haus ein. Fortan blieben die Gartentüren offen für alle, die den direkten Weg zur Kirche suchten.

Seitdem hieß dieser kleine Weg durch den Garten: Adventsweg.

Lied: EG 1,4-5 Macht hoch die Tür, die Tor macht weit

4 Macht hoch die Tür, die Tor macht weit, eu’r Herz zum Tempel zubereit‘. Die Zweiglein der Gottseligkeit. Steckt auf mit Andacht, Lust und Freud; so kommt der König auch zu euch, Ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott, Voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

5 Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; Dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.

Fürbitte

Kommender Gott, es ist Advent: Du willst zu uns und in die Welt kommen. Du kommst, das hoffen wir. Du kommst zu jeder und jedem. Allen willst Du nahe sein. Auch dieses Jahr willst Du uns an Deinen Frieden erinnern. Wir danken Dir dafür.

Kommender Gott, wir bitten Dich: Öffne uns die Herzen und zieh mit Deiner Liebe und Nähe bei uns ein. Lass diesen Advent eine freundliche Zeit werden.

Kommender Gott, wir bitten Dich für alle, die Sorgen haben: Die Kranken – die Einsamen – die Bedrückten – die Trauernden. Sei Du ihnen nahe!

Kommender Gott, wir bitten Dich für alle Menschen, die Krieg, Gewalt, Hunger und Not erleben. Schenke ihnen die Hoffnung auf Deinen Frieden. Sei Du ihnen nahe!

Kommender Gott, in der Stille bitten wir Dich für das, was unser Herz schwer macht.

Vaterunser

Segen

Ich wünsche dir, dass dir selbst in dunklen Zeiten
die kleinen Sterne auffallen, die glitzern und leuchten,
unbeirrt von dem, was finster ist um sie herum.

Ich wünsche dir das Vertrauen, dass der Morgenstern schon am Himmel ist,
auch wenn du ihn noch nicht siehst.

Ich wünsche dir die Zuversicht, dass das Licht wächst,
weil Gott sich auf den Weg gemacht hat zu dir.
(Tina Willms)