Gottesdienst aktuell

Liebe Leserin, lieber Leser,

es gibt Zeiten, wie z.B. Weihnachten, da wird wenig gespart, sondern alles gegeben. Und dann gibt es Zeiten, da heißt es sparen und verzichten, da scheint der Überfluss verschwunden zu sein.

Um den Mangel und den Überfluss geht es im heutigen Predigttext aus dem Johannesevangelium, der die Geschichte vom Weinwunder von Kana erzählt. Die Geschichte lässt in Zeiten des Verzichtes und des Mangels vielleicht danach fragen: Wo sehen wir die Verwandlungswunder und Überfluss, die uns neuen Mut geben?

Der Wochenspruch vom 2. Sonntag nach Epiphanias erinnert uns, dass schon alles da ist, auch wenn wir es gerade nicht sehen oder erleben können: „Von seiner (Gottes) Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade.“ (Johannes 1,16)

Lied EG 510, 1-3 „Freuet euch der schönen Erde“

Gebet

Herr, unser Gott, deine Macht und Herrlichkeit ist in deinem eingeborenen Sohn auf Erden erschienen. Wir bitten dich: Öffne unsere Augen und Ohren für die wunderbaren Zeichen, die uns Kraft geben für die kommende Zeit.

Predigttext Johannes 2, 1-11

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß.

Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. Danach zog er hinab nach Kapernaum, er, seine Mutter, seine Brüder und seine Jünger, und sie blieben nur wenige Tage dort.

Auslegung

Es gibt wenige Feste, die so gründlich vorbereitet werden wie eine Hochzeit. Familie und Freunde planen die Hochzeit mit allen Details, damit es ein unvergesslicher Tag für alle wird. An diesem Tag werden die Liebe und das Leben gefeiert mit festlichen Riten und köstlichen Speisen und Getränken. Ein bischen das Himmelreich auf Erden für einen Tag, Labsal für Körper und Seele.

Mit einer Hochzeit fängt bei Jesus im Johannesevangelium alles an. Er ist getauft, hat seine Freunde um sich gesammelt und geht zu einem Fest, dass den Beginn eines gemeinsamen Lebens feiert. Die Hochzeit war schon bei den Propheten Symbol der göttlichen und menschlichen Verbindung, wenn von Gott als dem Bräutigam und dem Volk Israel als der Braut gesprochen wird. Der Evangelist Johannes knüpft gedanklich daran an, wenn Jesus das erste Mal bei einer Hochzeit öffentlich aktiv ist.

Das ist kein Zufall und es ist auch kein Zufall, dass Johannes das Wunder der Verwandlung von Wasser zu Wein erzählt. Nur wenige Verse später trifft Jesus eine durstige Frau an einem Brunnen und sagt: Ich gebe dir das Wasser des Lebensund viele Kapitel später, kurz vor seinem Tod sagt Jesus zu den Jüngern: Ich bin der Weinstock und ihr seid die Weinreben. Die Verwandlung von Wasser zu Wein spielt also für das Leben der Jünger und aller, die an Jesus glauben, eine bedeutende Rolle. Ich glaube, jeder erlebt in sich eine Verwandlung auf der Suche nach einem guten Leben, liebevollen Beziehungen und dem Vertrauen in Gott, die Menschen und sich selbst. In der jüdisch-christlichen Tradition ist der Wein aüßerdem das Zeichen für Gottes Zuwendung. Ja eine rabbinische Tradition vermutet sogar, dass der Weinstock noch aus dem Paradies stammte und hinübergerettet wurde.

Der Evangelist Johannes ist ein Meister darin, in seinen Geschichten mit starken Bildern Themen anzudeuten, die an einer anderen Stelle im Evangelium ausführlich erzählt werden und die uns Lesern die Möglichkeit geben, die eigenen Themen und Fragen mit zu durchdenken. Das Hochzeit schreitet voran, getrunken und gegessen und plötzlich steht die Mutter neben Jesus und stellt einen gravierenden Mangel fest:

“Es ist kein Wein mehr.“ Der Fülle, eben noch selbstverständlich, folgt die Leere. Das Fest droht zu kippen, die Gäste könnten motzen und die Gastgeber sich blamieren.

Der Feststellung der Mutter (Ich höre auch den unausgesprochenen Appell:“Tu was!“) folgt eine forsche Zurückweisung: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Als Mutter schlucke ich bei diesen Worten, die Jesus hier seiner Mutter zumutet. Als Mensch weiß ich, dass es die schnelle Lösung nicht immer gibt. Manches braucht Zeit oder den rechten Moment.

Momentan wird um die Impfstoffmengen gestritten. Welche Mengen wo und wie hätten bestellt werden müssen und können und warum nur schleppend geliefert wird.

Momentan wird über die Beschulung der Kinder und Jugendlichen gestritten. Wieviel man doch hätte schon für den Distanzunterricht vorbereiten können, wieviel man den Kindern und Jugendlichen zumuten sollte und warum immernoch das Internet so langsam ist und überlastete Server zusammenbrechen.

Manches droht zu kippen, lässt die Menschen motzen und die Verantwortlichen sind blamiert.

Die Mutter Jesu dreht sich um, geht zu den Dienern und sagt nur: „ Was er euch sagt, das tut.“

Für Maria ist das Fest noch lange nicht zuende. Sie motzt nicht, sondern wartet. Sie glaubt, dass der Mangel durch ihrem Sohn überwunden wird. Sie weiß nur nicht wann. Sie steht hier vielleicht stellvertretend für jene Menschen, die sich nicht so schnell beirren lassen, die Mögliches sehen, auch wenn es noch nicht sichtbar oder „verfügbar“ ist, die respektieren, dass der rechte Zeitpunkt manchmal erst kommt. Marias Erwartungen werden erfüllt und sogar noch übertroffen, denn der Wein ist besser als alles, was es vorher gab.

Die Verwandlung hat geklappt, die Fülle kehrt zurück und alle, die das Wunder erkennen, reiben sich die Augen, schmecken den wunderbaren Wein und sind begeistert oder sie schimpfen wie der Speisemeister gegen den Bräutigam: „Weißt du nicht, dass erst der gute Wein ausgeschenkt wird?“

Auch das ist kein Zufall, wenn Johannes das so erzählt. Die einen haben es (noch) nicht verstanden, die anderen glauben, etwas großartiges zu erleben. Und im 15. Kapitel Jesus sagt Jesus zu seinen Jüngern: „Ich gebe nicht das Beste zuerst, sondern das Beste zuletzt wie ich mein Leben am Ende hingeben werde für die Freunde..“ Manches erschließt sich erst im Rückblick. Doch das Wunder von Kana hinterlässt schon eine Ahnung davon, dass nach Zeiten des Mangels der Überfluss eine andere Qualität bekommt.

Für mich ist es ein Wunder, dass nach nicht einmal einem Jahr überhaupt ein Impfstoff zur Verfügung steht, der hoffen lässt, dass sich nach und nach das Leben wieder ändern wird.

Ich fand es erstaunlich, als eine Konfirmandin im Onlineunterricht sagte: „Ich kann es selbst kaum glauben, dass ich das mal sagen würde. Ich vermisse die Schule.“ Die Schule bekam für sie einen neuen Wert.

Mit einem Lebens- und Liebesfest hat die Geschichte mit Jesus unter den Menschen angefangen, dass nach einigen Schwierigkeiten wieder eine positive Wendung nimmt .

Jesus zieht mit seinen Freunden und Mutter nach Jerusalem. Da geht es erstmal richtig zur Sache.

Jesus geht in den Tempel und schmeißt alle und alles raus, was den Glauben an Gott behindern könnte – die Geldwechsler und Händler. Er schafft Leerstellen, die gefüllt werden können mit Lebens- und Glaubenserfahrungen, mit Diskussionen oder auch mit Warten, bis sich etwas ändert.

Damit machte er sich Freunde und Feinde, die sich mehr als einmal fragten: Woher kommt dieser Mensch und woher bekommt er seine Kraft? Was kommt da auf uns zu? Ja, was kommt auf uns zu? Wir warten noch, wissen es nicht, aber können vielleicht schon jetzt sehen, was sich verwandelt oder wertvoll ist.

Lied „Wir haben reichlich Segen erfahren“ / Melodie EG 455 Morgenlicht leuchtet

Fürbitte

Wo du erscheinst, Gott, wird das Leben zu einem Fest. Wasser wird zu Wein. Sorge wird zur Zuversicht.
Erscheine, Gott, allen, die sich fremd sind, die Angst haben, allen Kranken und Sterbenden, allen Kindern, die keine Geborgenheit kennen, allen, denen die Lebensperspektiven schwinden und die neue Wege noch nicht erkennen.

Wir feiern mit dir das Leben und bitten: Gib Gnade um Gnade.

Wo du erscheinst, Gott, wird das Leben zu einem Fest. Du gibst uns manchmal mehr, als wir wünschen und hoffen können, Gnade um Gnade, jeden Morgen, jede Nacht, jeden Tag. Amen.

Vaterunser

Segen

Gott segne dich und behüte dich. Er gebe dir Rat und Schutz. Er sei Licht auf deinem Weg. Er gebe dir Zeichen seiner Nähe. Er gebe dir Vertrauen, das sich nicht beirren lässt und er gebe dir seinen Frieden.