Gottesdienst aktuell

Liebe Leserin, lieber Leser,

wem vertraue ich etwas an, was traue ich mir selber zu? Welche Überraschung ist mir lieb und was passt mir im Moment überhaupt nicht? Am 9. Sonntag nach Trinitatis werden Geschichten von Menschen erzählt, deren Leben sich plötzlich sehr verändert haben. Paulus erzählt, dass die Begegnung mit dem christlichen Glaube seine Werte auf den Kopf gestellt haben. Ein Mann findet einen Schatz und verkauft alles, nur um diesen Schatz behalten zu können. Der Prophet Jeremia, der sich selbst für zu jung hält, wird ein einflussreicher Prophet. Das Leben ist ein Wagnis. Und jeder Mensch kann seine Begabungen entdecken und bestenfalls für andere einsetzen. Im Wochenspruch heißt es: Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man um so mehr fordern. Lk 12,48

Lied EG 452 Er weckt mich alle Morgen

Psalm 63, 2-9

Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist. So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit. Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich. So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben. Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann; wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach. Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich. Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

Einleitung zum Predigttext

Der Prophet Jeremia hat seine Generation geprägt und seine theologischen Gedanken wurden immer mal wieder aufgenommen, diskutiert und rezipiert. Die ersten Christen z.B. entdeckten in Jeremias Leben viele Parallelen zum Leben Jesu. Jeremia hat ganzheitlich verkündigt, würde man heute sagen. Er schleppte z.B. ein Jochgeschirr durch Jerusalem, um die drohende Unterwerfung unter den babylonischen Herrscher Nebukadnezar den Menschen vor Augen zu führen. Er ist Sohn eines Priesters, in der Nähe von Jerusalem aufgewachsen, ein aufmerksamer Beobachter und Kritiker der Misstände seiner Zeit. Der Predigttext erzählt seine Berufung als Prophet.

Predigttext Jeremia 1, 4-10

4 Und des HERRN Wort geschah zu mir: 5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. 6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. 7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. 8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. 9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Gedanken zum Text

Coronabedingt konnten die Berufsmessen und viele Berufspraktika in diesem Jahr nicht stattfinden. Die Lehrbetriebe bekommen das z.T. mit weniger Bewerbungen zu spüren. Für einige Jugendliche ist es noch schwieriger, sich für eine Ausbildung zu entscheiden. Die Auswahl ist groß, vieles kaum bekannt und man möchte gut sein, in dem was man tut, gerne zur Arbeit gehen, vielleicht sich weiter entwickeln können. Das höre ich immer wieder von Jugendlichen, wenn ich mit ihnen über ihre Zukunftspläne sprechen.

Jeremia konnte sich seine(n) Beruf(ung) nicht aussuchen. Er wird mit einer Berufung konfrontiert, die ihn in sich zusammen sacken ließ. „Das kann ich nicht. Ich bin zu jung.“

„Das schaffe ich nicht, das ist mir zu schwer, das habe ich mir ganz anders vorgestellt.“ Jedes Jahr beklagen Ausbilder und Unis die Abbrecherquoten in den ersten Semestern. Die Gründe sind vielschichtig und es wird damit unterschiedlich umgegangen. Für einige ist das ein Debakel, für andere ist es eine Chance, sich besser zu orientieren. Ausbildungsstätten tuen viel dafür, um die Auszubildenden und Studenten besser auf die Lehrinhalte vorzubereiten und sie zu begleiten, wenn Probleme auftauchen.

Gott lässt bei Jeremia ein „zu jung“ nicht gelten, denn er hat mit ihm etwas vor, was über Jeremias Vorstellungen hinaus geht. Gleichzeitig verspricht Gott Jeremia jegliche Unterstützung und sieht in Jeremia Potenziale, die Jeremia selbst noch nicht erkennen konnte.

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

Das ist eine Berufung, wie sie normalerweise nur von Königen und Herrschern erzählt worden ist.

Das Jeremiabuch, dass lange nach dem Tod Jeremias fertiggestellt worden war, unterstreicht mit dieser Berufungserzählung die herausragende Bedeutung des Propheten Jeremia für die Nachwelt.

Man muss kein König oder herausragender Prophet sein, um seine Aufgabe, seinen Beruf, seine Bestimmung zu entdecken. Ich glaube, jeder Mensch wird von Gott gesehen und mit Gaben und Fähigkeiten ausgestattet, so wie es im Psalm 139 heißt: Gott, du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleibe. 14 Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Jeder ist begabt für unterschiedliche Lebensaufgaben und hat seinen Platz bei Gott, anderen Menschen und in der Gesellschaft. Manches ist offensichtlich, anderes zeigt sich im Laufe eines Lebens.

Lebensplanung hin oder her, es bleiben Lebensstationen offen oder überraschend. Die einen sind mit genügend Selbstvertrauen ausgestattet, um die überraschenden und auch herausfordernden Aufgaben zu leisten. Anderen helfen Zuspruch und Unterstützung, um mit den Aufgaben zu wachsen. Wieder andere warten ab und manche geben auch auf. Jeremia hielt trotz aller Widerstände durch. Die Autoren des Jeremiabuches erzählen, dass Jeremia den Mut fand, die unbequemen Wahrheiten seinem Volk nicht zu verschweigen. Und sie erzählen, dass er manchmal sehr verzweifelt war und am liebsten aufgegeben hätte. Oft einsam und bedroht lebte er als gesellschaftlicher Außenseiter. Unvergleichlich schwer erscheint sein Geschick.

Denke ich an die Generation meiner Eltern und Großeltern, an die Lehrstellenvergabe zu DDR Zeiten oder die Zeiten hoher Arbeitslosigkeit, da machten viele erst einmal das, was möglich ihnen war. Das war nicht immer leicht. Aber vielen ist der Beruf/die Tätigkeit ans Herz gewachsen, andere haben sich neue Aufgabenfelder gesucht und manch einer ist leider auch daran zerbrochen. „Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten“ Auch Gott wusste, was auf Jeremia zukommen wird, versprach ihm von Anfang seine Unterstützung, ließ ihn durchhalten. Ich glaube, es gibt immer wieder Menschen und Gott selbst, die wissen, was ein jeder braucht, um in unsicheren Momenten begleitet zu werden. Zu wünschen ist es vor allem unseren Kinder und Enkeln in diesen Zeiten.

Lied EG 497, 1.5-9 Ich weiß mein Gott, dass all mein Tun

Fürbitte

Gott des Lebens, in diesen sommerlichen Tagen bitten wir dich für alle,
die unterwegs sind, die neuen Atem schöpfen, die Erholung suchen.
die sich verausgaben, die sich für andere aufopfern, die sich mühen und sorgen.
die sich nach einem neuen Leben sehnen, die Trost suchen.

Gott, des Lebens, in diesen unheilvollen Tagen bitten wir dich für alle,
die unter Gewalt und Krieg leiden, die ihre Heimat verlassen haben,
die krank sind oder im Sterben liegen,

Kinder und Jugendlichen, die unseren Zuspruch und unsere Zuversicht brauchen.
Gott, des Lebens, dir vertrauen wir uns an, durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder.
Vaterunser

Segen

Liebe und Lachen mögen deine Tage erleuchten. Wärme fülle dein Herz und dein Haus.
Gute und treue Freunde sollst du finden, wo immer du bist.
Friede und Wohlstand mögen deine Welt mit Freude füllen.
Und die vorbeiziehenden Zeiten des Lebens mögen das Beste bringen für dich und die Deinen. Amen.